1. Verhaltenskodex

Verhaltenskodex (Yama & Niyama)

Korrektes Verhalten ist deswegen so wichtig, weil die Summe all deiner Bewegungen in Geist, Fühlen, Worten und Handeln deine Zukunft kreiert. Alles, was du heute aussendest, kommt 'morgen' (=in der Zukunft) zu dir zurück (=Karma bzw. das Prinzip von Ursache und Wirkung). 

Der Mensch erkennt das normalerweise aber nicht, da auf dieser Ebene der Existenz, auf der wir Menschen uns befinden, Ursache und Wirkung normalerweise zeitlich versetzt stattfinden. Z.B.: Ich helfe heute einer alten Dame über die Straße und 2 Monate später schenkt mir ein Fremder ohne ersichtlichen Grund einen Apfel.

Der Zusammenhang von ursprünglicher Handlung und zeitlich versetztem energetischen Ausgleich ist zusätzlich noch deswegen schwer zu erkennen, da er sich normalerweise nicht als exakt gleiche Handlung manifestiert. Sprich... es hilft nach 2 Monaten nicht mir jemand über die Straße (da ich das ja auch vielleicht nicht brauche), sondern die damals erzeugte Energie wird durch eine dementsprechende Energie ausgeglichen - in unserem Beispiel: Ich bekomme einen Apfel geschenkt.

Noch zu erwähnen: Die Ebene, auf der dieses Karma gespeichert wird in unserem Wesen, wird nicht nach der jeweiligen Inkarnation aufgelöst - d.h. man nimmt altes Karma mit in jede neue Inkarnation, bis es wieder aufgelöst wird. Das ist eine sehr vereinfachte Erklärung, die aber dieses Prinzip veranschaulichen sollte.

Patanjali (=der Verfasser des Yogasutras) bespricht das Thema 'Karma' in den Sutren 2.12-14.

Wenn du es schaffst, die nachfolgenden Regeln im Alltag zu leben, wirst du ein schöneres, entspannteres, erfüllenderes Leben erschaffen, das eine perfekte Basis bildet, um in der Meditation in immer tiefere Ebenen vordringen zu können - und dadurch... deinem Wahren Selbst immer näher zu kommen.

Das Yogasutra gibt uns mit den ersten beiden Stufen des Ashtanga Yoga - mit Yama und Niyama - in den Sutren 2.30-45 einen Leitfaden für korrektes Verhalten.

Yama 

= Enthaltungen; das Verhältnis zur Umwelt

1. Nicht gewalttätig sein (in Sanskrit: Ahimsa)

Gewalt fängt schon im Kopf an - das Denken von negativen Gedanken gegenüber sich selbst und anderen führt zu dementsprechenden Emotionen, Worten und im Extremfall sogar gewalttätigen Handlungen. Sehr hilfreich hierfür ist es, sich mit Hilfe von Meditation und dem 'Studium der Schriften' (=spirituelle Lehrschriften, aber auch z.B. Youtube-Videos von spirituellen Lehrern,...) für höhere Sichtweisen über die wahre Natur der Dinge zu öffnen und dadurch fähig zu werden, negative Gedanken in positive bzw. zumindest neutrale umzuwandeln.

2. Nicht lügen; Wahrhaftigkeit; die Wahrheit sagen und leben (Satya)

3. Nicht stehlen; unabhängig sein (Asteya)

Wobei hier natürlich auch die energetische Ebene inkludiert ist. Und ja... auch das Herunterladen (oder Streamen) von digitalen Produkten, die nicht gratis sind, ist stehlen, und hat dementsprechende (karmische) Folgen.

4. Gott in allem sehen; nicht auf die oberflächliche Erscheinung der Dinge fokussieren (Brahmacharya)

Damit ist z.B auch gemeint, dass man sich nicht auf die menschlichen Fehler fokussieren sollte, sondern lernt, die Seele, die dahinter steckt, zu sehen. Dies ist eine sehr machtvolle Praxis, die deine Beziehung zu dir selbst und der Welt komplett zum Positiven verändern kann!

'Brahmacharya' heißt wörtlich übersetzt 'wandern in Gott', bzw. 'jemand, der sich der Natur Gottes immer bewusst ist', und wird von verschiedenen Übersetzern und Kommentatoren des Yogasutra verschieden interpretiert. Dies sind weitere Interpretationen, die für mich stimmig sind:

  • Zölibat; nicht sexuelle Energie verschwenden (sexuelle Energie kann genutzt werden -> siehe taoistische bzw. tantrische Praktiken, die z.B. von Mantak Chia gelehrt werden)

  • Bewegung auf das Wesentliche hinkeine Zeit verschwenden

5. Nicht besitzen wollen (Aparigraha)

Aparigraha ist eine generelle Einstellung gegenüber der materiellen Welt.

Niyama 

= Regeln/Empfehlungen für das eigene Leben; das Verhältnis zu sich selbst

1. Reinheit; Sauberkeit (Saucha)

Reinheit im Außen und Innen - damit ist auch die Reinheit der Gedanken, Nahrung usw. gemeint.

2. Zufriedenheit, Genügsamkeit (Santosha) 

Damit ist ein Zustand gemeint, indem man zufrieden ist nur mit sich selbst - wie man/alles gerade ist - ohne, dass man sonst noch etwas (Menschen, materielle Güter,...) braucht. Was aber nicht heißen soll, dass man nicht nach gewissen Sachen streben sollte.

3. Disziplin (Tapas)

Es ist sehr wichtig, diszipliniert und mit Ausdauer die Übungen zu machen und dadurch Körper und Geist fit zu machen/zu halten, und dadurch der Selbstverwirklichung immer näher zu kommen.

4. Studium der (spirituellen) Schriften und Selbstreflexion (= Beobachten des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns) (Swadhyaya)

Hier sind einige der Lehrer/Lehren, die ich (für mich) als sehr stimmig erkannt habe und die ich empfehlen kann:

Louise Kay (auf englisch), ChannelHigherSelf (auf englisch), Bentinho Massaro (auf englisch), Eckhart Tolle (hauptsächlich auf englisch, aber auch in anderen Sprachen), Maryam (hauptsächlich auf Deutsch, aber viele Inhalte sind auch in anderen Sprachen verfügbar).

5. Gottvertrauen; Hingabe an Gott (Ishvara Pranidhana)

Das Vertrauen darauf, dass alle Erfahrungen, die ich mache, FÜR MICH (=ein wichtiger Erfahrungsschatz für meine Seele) sind, und nicht gegen mich.

So, das wars zu den Verhaltensregeln und jetzt geht es weiter zu... 2. Meditation - DAS Werkzeug